23. Oktober 2018

Tage der Technik 2018: Smart Future – wie Digitalisierung unser Leben verändert

Beatrice Huber - Digitalisierung

Am 4. Oktober fand die Hauptveranstaltung der Tage der Technik 2018 an der Empa Akademie in Dübendorf statt. Das Thema war «Smart Future – wie Digitalisierung unser Leben verändert».

        
Bei strahlendem Wetter konnten sich Swiss Engineering, die Empa und die SATW, die Organisatoren der Tage der Technik, auch dieses Jahr über ein volles Haus freuen. Gabriele Dobenecker durfte die Anwesenden bereits zum 10. Mal an der Empa Akademie begrüssen. Technologien würden sich immer schneller verbreiten. Doch sie ist optimistisch betreffend Digitalisierung. Mit diesen Worten gab sie weiter an Beat Dobmann, Zentralpräsident Swiss Engineering. Er sah es dann ein wenig düsterer. Prognosen zur Digitalisierung seien zwar ungenau und schwierig, aber eben auch sehr dramatisch. Er erwähnte den Report des WEF, gemäss dem ab 2025 Maschinen mehr Arbeitsstunden als Menschen leisten würden. Aus seiner Sicht gibt es zwei Fakten zu Smart Future: Die technologischen Umwälzungen sind sehr gross. Und die daraus entstehenden gesellschaftlichen Herausforderungen sind noch grösser.

Tanja Zimmermann, Direktionsmitglied der Empa, stellte kurz ihre Organisation vor und zeigte, wie wichtig die Digitalisierung für die Empa heute schon ist. Design, Bau und Betrieb findet heute auch digital statt und überall spielt maschinelles Lernen eine Rolle. Durch Technologien wie den 3D-Druck bekomme man immer auch einen digitalen Zwilling, der das reale Objekt in der digitalen Welt präsentiere. Den Abschluss der Begrüssungsrunde machte Willy R. Gehrer, Präsident der SATW. Aus seiner Sicht wird wegen der fortschreitenden Digitalisierung Cybersecurity immer wichtiger. Er betonte, dass er die Zukunft dennoch nicht so pessimistisch sehe.

Smart Living
Das erste Referat widmete Reto Largo, Geschäftsführer des NEST dem «Smart Living», d.h. dem digitalen Bauen und Wohnen. Die Produktivität habe im Bau in den letzten 20 Jahren kaum mehr zugenommen. Doch es sei noch einiges möglich, wenn Häuser nicht mehr gebaut – jedes Haus ein Prototype –, sondern in Serien produziert würden. Er kam auf den Report des WEF zurück und präzisierte, dass im Jahr 2025 zwar Maschinen mehr Arbeitsstunden leisten würden als Menschen, aber nicht auf Kosten der Menschen. So sollen 133 Millionen neue Arbeitsplätze entstehen und nur 75 Millionen verloren gehen. «Das ist eine grosse Chance für die Schweiz.» Was nun können Roboter im Bau leisten? Sie können in der Vorfertigung und auf der Baustelle zum Einsatz kommen. Reto Largo zeigte das Beispiel von Drohnen, die vorgefertigte Elemente auf der Baustelle zusammenbauen.

Smart Security
Adolf J. Doerig, Präsident Advisory Board Cybersecurity SATW, stellte Vertrauen ins Zentrum seines Referats. «Vertrauen wird die Währung der Zukunft.» Cybersecurity sei viel mehr als ein technisches Problem. Es gehe um Werte, die geschützt werden sollten. «Wir brauchen ein sicheres, vertrauenswürdiges digitales Fundament, als DER Standortvorteil der Schweiz.» Cyberattacken können sehr schnell kritisch werden mit einem grossen Schadenspotenzial. Die Vorwarnzeit ist meist gleich null. Unser Planet ist schon voll vernetzt. Was bedeutet das für direkt-demokratische Länder, für unser Leben, unsere Werte? Was bedeutet das für unsere Wirtschaft, unsere kritischen Infrastrukturen? Nach Meinung von Adolf Doerig ist viel stärker eine übergeordnete Sicht auf Systeme von Systemen nötig. Und es brauche viel mehr Start-ups im Cybersecurity-Bereich wie das Beispiel Israel zeige, das wohl 10 Jahre voraus sei.

Smart Mobility
Gabriele Guidicelli, Projektleiter Technik «Cargo sous terrain», durfte das Zukunftsprojekt vorstellen. Die Schweiz sei ein erstklassiger Standort, der eine effiziente Organisation von Verkehrsströmen brauche, um das Wachstum in diesem Bereich erfolgreich bewältigen zu können. Die Güter müssen unter die Erde, sonst kollabiert das System. Aber «Cargo sous terrain» sei mehr als ein Tunnelsystem. Gesamtlogistik, Infrastruktur von Tunnelsystem und Verlad, Feinverteilung in den Städten, alles soll digitalisiert und vernetzt sein. So wird ein kontinuierlicher Fluss von kleinteiligen Gütern erreicht. Die Feinverteilung ist der Schlüssel zur Lösung des Problems. Geplant ist ein Tunnelsystem mit sechs Metern Durchmesser den Ballungszentren entlang von Genf bis St. Gallen – gesamt 500 Kilometer. Aktuell laufen Machbarkeitsstudien. Der Bundesrat hat bereits die grundsätzliche Zustimmung gegeben. Es sind aber noch Gesetzesänderungen nötig. Die erste Etappe soll 2030 in Betrieb gehen.

Nach der Kaffeepause sprach Prof. Theo Wehner von der ETH Zürich aus der Sicht eines Arbeitspsychologen.

Smart Working
Theo Wehner ist sich sicher, dass auch die Digitalisierung daran nichts verändern wird, dass die Sinnsuche zentral für den Menschen ist. In der Forschung wird stark untersucht, was den Menschen krank macht. «Doch wir müssen mehr schauen, dass wir verstehen, was Menschen am Arbeitsplatz gesund hält.» Der Sinn in der Arbeit wird als wichtigster Faktor genannt, noch vor Erfolg und dem Umstand, dass die Arbeitsstelle sicher ist. Personen, die einen Sinn in ihrer Arbeit sehen, fehlen weniger am Arbeitsplatz krankheitsbedingt. Aber jeder muss den Sinn selbst finden. Interessanterweise ist bei denjenigen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, die schon heute von der Digitalisierung betroffen sind, die Sinnhaftigkeit gestiegen. Dies liegt vermutlich darin, dass gerade diese Menschen offen für die Digitalisierung sind.

Smart Society
Das Referat von Prof. Abraham Bernstein, Direktor der Digital Society Initiative der Universität Zürich, handelte über Gesellschaft und Technik im Wechselspiel. Wir generieren so viele Daten wie nie zuvor. Die Kosten für Rechenleistung und für Kommunikation sind drastisch gefallen. Und wir als Menschen machen natürlich damit, was wir denken, was wir tun sollten. Auch soziale und gesellschaftliche Veränderungen treiben uns an und bringen den technologischen Fortschritten. Bei technischen Entwicklungen geht es auch immer um ethische Überlegungen. Einer Drohne muss ich diese ethischen Überlegungen explizit mitgeben. Ein Mensch kann selbst entscheiden. Die Durchdringung mit IT wird immer stärker. Aus dem Twitter-Verhalten lässt sich zum Beispiel die politische Gesinnung ablesen. Das geht sehr gut auch in der Schweiz. Empfehlungssysteme sind heute aus Algorithmen. Das ist wichtig zu wissen, denn Empfehlungssysteme sind ein Abbild des Demokratieverständnisses. Wir sollten menschliche und künstliche Intelligenz kombinieren.

Den Abschluss bildete David Bosshart, CEO Gottlieb Duttweiler Institut.

Smart Everything
Vom ehemaligen Datenmangel sind wir nun in einer Welt des Datenüberschusses. Wie können wir mit diesen Daten wirklichen Mehrwert schaffen? Wie werden wir Wohlstand definieren? Noch sind viele Fragen nicht geklärt. Neben dem Datenreichtum haben wir auch weitere Entwicklungen: Unsere Geräte sind planetar verbunden. Die Cloud bietet noch nie da gewesene Möglichkeiten der Skalierbarkeit und Rechenleistung. Mit dem Internet der Dinge verbinden wir (fast) alles. Künstliche Intelligenz verspricht unbeschränkte Intelligenz für fast alles. Doch es gibt auch praktische Stolpersteine. Oft fehlen die Vorstellungen und Ziele, weil noch vieles unsichtbar ist. Die «Überkomplexität» verlangsamt die Entwicklung. Es wird an Altem festgehalten und Entscheide werden aufgeschoben. Und es fehlt vor allem noch stark an Anwendungsideen. Daten alleine genügen eben nicht. 

Auskunft
Beatrice Huber, Communications Manager, beatrice.huber(at)satw.ch

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