14. März 2019

Technik- und Informatikwochen

Beatrice Huber - Technik-Bildung

Die SATW unterstützt mit der so genannten Fachförderung Projekte und Veranstaltungen ihrer Mitgliedsgesellschaft finanziell. In einer losen Serie porträtieren wir diese Aktivitäten. Der Start machen die Technik- und Informatikwochen von IngCH. Dazu besuchten wir das Gymnasium Friedberg in Gossau SG.

«Jetzt fahr doch mal endlich!» Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse am Gymnasium Friedberg in Gossau SG bauen seit dem Vormittag an Solarmodulen, mit denen ferngesteuerte Autos den nötigen Strom bekommen sollen. Dazu haben sie Solarpanels zusammengelötet, um die nötige Spannung zu bekommen. Denn diese muss mindestens so hoch sein wie die der Batterie, die normalerweise das Auto antreibt. An der Sonne fehlt es nicht, die glücklicherweise an diesem Mittwochnachmittag scheint, aber irgendwie will das Auto noch nicht. Drinnen werden noch weitere Autos fertiggestellt.

Im Workshop Photovoltaik mussten die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen zu Leistung und Spannung nutzen und Solarpanels entsprechend zusammenlöten.

Dieser praktische Workshop findet im Rahmen einer Technik- und Informatikwoche von IngCH statt. Rund 40 solcher Wochen werden pro Jahr an Gymnasien in der ganzen Schweiz organisiert. Das Gymnasium Friedberg ist schon seit sechs Jahren dabei. In jeder Projektwoche werden unterschiedliche Blickwinkel auf die Welt der Ingenieurinnen und Ingenieure geboten. Damit soll einerseits Interesse geweckt und anderseits das Verständnis vertieft werden.

Szenenwechsel: Im anderen Gebäude des Gymnasiums bauen im Untergeschoss andere Teams an Brücken. Sie tun dies nicht weniger enthusiastisch. Dabei geht es nicht nur darum, welche Brücke am meisten Gewicht aushält. Die Schülerinnen und Schüler sollen auch erfahren, wie man im Team arbeitet, was für sie eher etwas Ungewohntes ist.

Im Workshop Brückenbauen konstruieren die Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Brücken mit viel Kreativität.

Das Programm einer Technik- und Informatikwoche umfasst diese praktischen Workshops, aber auch Fachreferate und Besuche. Die Schülerinnen und Schüler vom Friedberg waren am Vortag an der ETH und der Universität Zürich. Dort erlebten sie auch, wie es sich anfühlt, wenn Mittagspause ist und plötzlich hunderte von Studierenden auf einmal in die Mensa stürmen. Am nächsten Tag waren Besuche bei Firmen angesagt. Eine Gruppe ging zu Leica in Heerbrugg und die andere zu Hilti in Schaan. Die IngCH-Projektleitung organisiert und koordiniert das Programm jeweils in Absprache mit der Schule. An einigen Gymnasien nehmen wie in Friedberg ganze Jahrgänge teil, an anderen sind es einzelne Klassen. Die SATW unterstützt die Technik- und Informatikwochen im Rahmen der Fachförderung bereits seit Jahren.

Ob Photovoltaik oder Brückenbau, der Erfolg der Workshops hänge stark von der Person ab, die den Workshop leite, erzählt Guido Santner von IngCH, der die Technikwoche in Gossau betreut. Es sei nicht einfach, die Jugendlichen einen ganzen Tag zu motivieren. Thalia Meyer vom Photovoltaik-Workshop und Michael Dillo vom Brückenbau-Workshop haben ihre Gruppen gut im Griff. Sie machen es nicht zum ersten Mal. Und sie können den Jugendlichen auch etwas bieten. Zum Beispiel einen interessanten Lebenslauf. Wer hätte gedacht, dass Thalia Meyer vor ihrem Einstieg in die erneuerbaren Energien eine Karriere in der Erdölbranche gemacht hat. Heute ist sie selbstständig und bietet Energieberatungen und Begleitung bei Projekten für Gemeinden an, aber auch Schulungen wie diesen Workshop.

Die ferngesteuerten Autos fahren nun. Beim ersten Auto lag das Problem bei der Fernsteuerung. Die Freude ist gross, dass es funktioniert.

Die Jugendlichen hatten Spass, dass sie mal etwas Praktisches machen konnten. Das gilt auch für die Brückenbauerinnen und -bauer. Vor dem Belastungstest stellten die Teams noch ihre Werke vor: Warum habt ihr genau diese Brücke gebaut? Wie lief die Teamarbeit? Alle haben eine Brücke auf Zeit fertiggebracht. Nicht alle sind mit dem Prozess und dem Resultat zufrieden. Das gehört dazu. Und alle haben das Gewicht unterschätzt, dass die Brücken aushalten. Am Schluss wagten sich dann noch Schülerinnen und Schüler auf die Brücken, bis es knackste.

Härtetest: Am Schluss beluden die Teams ihre Brücken mit Kanister, bis diese kaputt gingen. Und alle Brücken «ertrugen» viel mehr, als die Schülerinnen und Schüler dachten.

Begreifen hat etwas damit zu tun, dass man Dinge anfassen kann. Praktische Arbeit macht vieles begreifbarer. Eine Technikwoche ist sehr intensiv für die Schülerinnen und Schüler. Die Hoffnung besteht, dass am Ende der Woche einige mehr – Schülerinnen und Schüler – sich für Technik interessieren und eine entsprechende Ausbildung nach der Matura starten. Und die Hoffnung ist berechtigt, denn die Umfrageergebnisse von 2018 zeigen, dass sich immerhin bei 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler das Bild des Ingenieurs (bzw. der Ingenieurin) durch die Woche positiv verändert hat. 28 Prozent könnten sich nun aufgrund der Woche vorstellen, ein technisches Studium zu beginnen.

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